Du liest einen Tipp. Auf Instagram, in einem Buch, vielleicht sogar im Podcast. Er klingt logisch. Du probierst ihn aus – und nichts passiert. Oder es eskaliert sogar. Und dann kommt dieser Gedanke: Bei allen anderen funktioniert das. Nur bei uns nicht. Liegt es an mir?
In dieser Folge von Fachlich. Menschlich. geht es genau darum. Und die Antwort ist eine, die entlastet: Das liegt nicht an dir. Und auch nicht an deinem Kind.
Der entscheidende Punkt: Erziehungstipps beschreiben, was bei vielen Kindern oft funktioniert – nicht, was bei jedem Kind immer funktioniert. Dein Kind ist keine Statistik. Ein Tipp, der bei Nachbars Kind sofort wirkt, kann bei deinem Kind wochenlang keine Wirkung zeigen.
Der produktivere Umgang damit: Tipps nicht als Versprechen behandeln, sondern als Hypothesen. Du probierst etwas aus, beobachtest, was passiert – und passt es an. Oder lässt es. Das ist kein Versagen. Das ist Erziehung.
Die Forschung von Alexander Thomas und Stella Chess zeigt seit den 1960er Jahren, dass Kinder mit grundlegend unterschiedlichen Temperamenten auf die Welt kommen. Manche Kinder sind von Natur aus anpassungsfähig, ruhig, leicht zu beruhigen. Andere reagieren intensiv auf Reize.
Ein konkretes Beispiel: Manche Kinder brauchen in der Wut Nähe – Körperkontakt, eine ruhige Stimme. Andere brauchen in genau diesem Moment Abstand – Raum, Zeit, kein Reden. Beides ist normal.
Thomas und Chess prägten dafür den Begriff Goodness of Fit – Passung. Es geht nicht darum, ob eine Strategie grundsätzlich gut ist. Es geht darum, ob sie zu diesem Kind in diesem Moment passt.
Du bist die Person, die dein Kind am besten kennt. Und das ist keine Floskel. Das ist deine größte Stärke.
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